Durch die wirtschaftliche Erholung hat sich auch die Lange auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessert. Mit 3,2 Millionen Arbeitslosen im Juli gab es angesichts der Sommerpause nur einen leichten Anstieg. Erfreulich auch: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt weiter – aktuell bereits auf 40,3 Millionen.
Im Juli waren 3,192 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr lag die Zahl noch um 271.000 höher. Die Firmen suchen nach der Krise wieder Arbeitskräfte. Allein die 30 Dax-Konzerne meldeten 10.000 offene Stellen hierzulande.
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, kommentiert die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt so: “Die deutsche Wirtschaft ist auf Erholungskurs, die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich weiter verbessert.”
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen nennt es besonders ermutigend, dass trotz des leichten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen insgesamt die Zahl der Langzeitarbeitslosen sinkt. “Im Ausgang der Krise haben also auch zunehmend die Menschen bessere Chancen, die schon längere Zeit nicht mehr in Beschäftigung waren”, so von der Leyen.
Niedrigste Arbeitslosenquote seit 1992
Mit 7,6 Prozent ist die Arbeitslosenquote im Sommermonat Juli so niedrig wie zuletzt 1992. Es gibt berechtigte Hoffnung, dass die Zahl der Arbeitslosen im Herbst deutlich unter die Drei-Millionen-Grenze fallen wird. Das gelang zuletzt im November 2008.
Der Jobaufbau fand in den letzten Monaten vor allem bei privaten und öffentlichen Dienstleistern statt. Indikator für die Dynamik am Arbeitsmarkt ist auch der gegenwärtige starke Anstieg der Zeitarbeit. Unternehmen setzen zunächst verstärkt Zeitarbeiter ein und erhöhen bei andauernder wirtschaftlicher Erholung ihre Stammbelegschaft. Vor allem auch Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose bekommen so eine neue Jobchance.
Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 2005 bis 2010
Mehr Erwerbstätige
Der positive Trend am Arbeitsmarkt zeigt sich auch in der Entwicklung der Erwerbstätigkeit. Im Juni 2010 waren nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 40,3 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig. Das waren 131.000 oder 0,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich mit dem Vormonat Mai 2010 stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Juni 2010 um 41.000 Menschen (+ 0,1 Prozent).
Davon waren nach der Hochrechnung der BA 27,6 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Zunahme um 204.000. Obwohl der hauptsächliche Zuwachs auf mehr Teilzeitbeschäftigung (+180.000) zurückzuführen ist, trug erstmals seit Monaten auch die Vollzeitbeschäftigung wieder zu dem Anstieg bei (+20.000).
Die Zahl der Selbstständigen ist gegenüber dem Vorjahr ebenfalls gestiegen. Dagegen haben sich die Zahl der Beschäftigten in Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (sogenannte 1-Euro-Jobs) und der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr verringert.
Kurzarbeit verliert an Bedeutung
Die Kurzarbeit geht weiter zurück und verliert an Bedeutung. Nach vorläufigen Daten wurde im Mai 2010 an 481.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld aus konjunkturellen Gründen gezahlt. Für den April waren es hochgerechnet 589.000. Zum Vergleich: Im Mai 2009 lag die Zahl noch dreimal so hoch bei 1.443.000 konjunkturellen Kurzarbeitern.
Jüngst meldeten auch große Unternehmen wie Siemens und Daimler das Ende der Kurzarbeit in ihren Konzernen. Nach ersten Schätzungen für den Juli signalisierten Unternehmen neue Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit für 20.000 bis 30.000 Personen. Das zeigt, dass die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht in allen Firmen überwunden ist.
Mehr offene Stellen
Bei den offenen Stellen zeigt sich schon länger eine ansteigende Tendenz. Die Vorjahreswerte werden mittlerweile deutlich überschritten. Der Bestand beläuft sich aktuell auf 391.000 Arbeitsstellen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von 93.000. Von den gemeldeten Arbeitsstellen waren 88 Prozent sofort zu besetzen.
Der Stellenindex der BA, der BA-X, der die Arbeitskräftenachfrage abbildet, ist von Juni auf Juli um 4 Punkte auf 142 Punkte gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr hat er 34 Punkte gewonnen. Er liegt damit sogar um einen Punkt über dem Oktober 2008, dem Monat, bevor die Wirtschaftskrise erstmals am Arbeitsmarkt sichtbar wurde.
Kontext:
loading...
30. Juli 2010 → 10:07 Uhr von Der Bürger
0 - Jetzt mitdiskutieren!